Für die Gesundheit von Mensch und Planet erforderlich: Transformation des Ernährungssystems

EAT-Lancet Commission Summary Report

Fast eine Milliarde Menschen auf der ganzen Welt leiden Hunger, und fast zwei Milliarden Menschen untergraben ihre Gesundheit, indem sie zu viel falsche Nahrung zu sich nehmen. Gleichzeitig treibt die Nahrungsmittelproduktion die Zerstörung natürlicher Ressourcen voran, die das menschliche Leben unterstützen. Wenn diese Trends nicht umgekehrt werden, könnten laut einem neuen Bericht die Folgen für die Gesundheit von Mensch und Planet schwerwiegend sein. Was benötigt wird, ist nichts weniger als das, was die Autoren "Great Food Transformation" nennen.

Der Bericht der EAT-Lancet-Kommission für gesunde Ernährung aus nachhaltigen Nahrungsmittelsystemen (Co-Autor: Walter Willett, Professor für Epidemiologie und Ernährung an der Harvard T.H. Chan School of Public Health) fordert Engagement und eine weltweite Zusammenarbeit, um die Ernährung auf gesunde, weitgehend pflanzliche Muster umzustellen, Lebensmittelverluste und -abfälle erheblich zu reduzieren und und wesentlich die Nachhaltigkeit bei der Produktion von Nahrungsmitteln zu verbessern. Das Dokument wurde online veröffentlicht am 16. Januar 2019 in The Lancet.

"Wir befinden uns derzeit auf einem Weg, der zu einem ernsthaft degradierten Planeten führt", sagte Willett. „Wenn wir uns um die Welt kümmern, in der unsere Kinder und Enkelkinder leben werden, müssen wir unsere Ernährung umstellen und die Art und Weise, wie wir unsere Lebensmittel produzieren. Ein unmittelbarer Nutzen wird die Verbesserung unserer Gesundheit und unseres Wohlbefindens sein.“

Mehr Pflanzen, weniger Fleisch und Zucker

Die EAT-Lancet-Kommission berief 37 führende Wissenschaftler aus 16 Ländern aus verschiedenen Disziplinen ein, darunter in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft, Politikwissenschaft und Umweltverträglichkeit, um die weltweit ersten wissenschaftlichen Richtlinien für gesunde und nachhaltige Ernährung zu entwickeln. Die Experten argumentieren, dass diese Diäten - die größtenteils pflanzlichen Ursprungs sind und wenig Fleisch und Zucker enthalten - der beste Weg sind, um eine Weltbevölkerung zu ernähren, von der erwartet wird, dass sie bis 2050 10 Milliarden erreichen wird. Eine weit verbreitete Verschiebung der Essgewohnheiten der Menschen könnte etwa 11 Millionen vorzeitiger Todesfälle pro Jahr und langsame Umweltschäden verhindern, sagen die Autoren.

Laut Willett gelten die Richtlinien nicht als eine Art Einheitsgröße. "Ernährungsweisen, die für die Menschen und unseren Planeten gesund sind, können eine enorme Vielfalt, Geschmack und Genuss bieten", sagte er. Neben veganer und vegetarischer Ernährung gibt es auch Optionen für Allesfresser. Er zitierte zum Beispiel die Mittelmeerkost, eine weitgehend auf Pflanzen basierende Nahrung, die gesunde Öle und Fische gegenüber Butter und anderen tierischen Proteinen priorisiert. "Dies ist ein großer kulinarischer Schirm mit Platz für alle", sagte Willett.

Die Autoren fordern Richtlinien, die die Menschen dazu anhalten, sich für eine gesündere Ernährung zu entscheiden, z.B. die Verbesserung der Erschwinglichkeit von gesunden Lebensmitteln, die Einschränkung der Werbung für ungesunde Lebensmittel und die Verbesserung der Verbraucheraufklärung.

Nachhaltige Nahrungsproduktion

Ernährungsumstellungen müssen nach Ansicht der Autoren auch mit einer verbesserten Nahrungsmittelproduktion und weniger Lebensmittelverschwendung einhergehen. Die Änderungen sollten eine Neuausrichtung der Landwirtschaft umfassen, um vielfältige nährstoffreiche Pflanzen zu erzeugen sowie eine stärkere Steuerung der Land- und Meeresnutzung. Die von der Kommission umrissene nachhaltige Lebensmittelerzeugung umfasst auch die Sicherung der biologischen Vielfalt, die Vermeidung von Kohlendioxidemissionen und den Emissionen von zwei weiteren Treibhausgasen: Methan (das durch die Verdauung von Kühen und anderen Nutztieren erzeugt wird) und Lachgas (das aus landwirtschaftlichen Böden emittiert wird).

Die Kommission fordert eine Transformation, die einen Fokus auf komplexe Systeme erfordert, sagte Richard Horton, Chefredakteur von The Lancet, in einer Erklärung. Das Gemeinwesen aber auch Regierungen auf allen Ebenen müssen bei der Neudefinition unserer Ernährung eine Rolle spielen, sagte er. "Unsere Verbindung mit der Natur beinhaltet die Antwort, und wenn wir auf eine Weise essen können, die sowohl für unseren Planeten als auch für unseren Körper funktioniert, wird das natürliche Gleichgewicht der Ressourcen des Planeten wiederhergestellt", sagte er. "Die Natur, die verschwindet, ist der Schlüssel zum Überleben von Mensch und Planet."


Quellenangaben:
1. Amy Roeder, https://www.hsph.harvard.edu/news/features/food-transformation-human-planetary-health, 17.01.2019
2. EAT-Lancet Commission Summary Report (PDF), #foodcanfixit, 16.01.2019